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Freitag, 20.10.2017

„Tansania befindet sich auf dem richtigen Weg“

Zu einem informativen Vortrag konnte der Arbeitskreis Tansania des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn Bischof Dr. Abednego Keshomshahara aus der Nordwest-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansania (ELCT) begrüßen. Er berichtete über die aktuellen Entwicklungen in seinem Land und über das Engagement der Kirche in Sachen Armutsbekämpfung.

Bischof Keshomshahara aus Bukoba war im Rahmen einer Vortragsreise der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Vor zahlreichen Interessierten sprach er über „Kirche und Armutsbekämpfung. Das Verhältnis von Religiosität und Armut am Beispiel Tansanias“. Den Bericht hielt er auf Deutsch; der 47-Jährige promovierte und lebte einige Jahre mit seiner Familie in Deutschland. „So kann ich immer wieder mein Deutsch trainieren und verbessern“, scherzte der Theologe, der seit Sommer 2015 Bischof der Nordwest-Diözese ist.

Seine Präsentation ging auf die aktuelle Situation in dem ostafrikanischen Land ein. „Armut verursacht Radikalismus und Hass. Armut muss vor Ort bekämpft werden, noch bevor die Menschen in Europa ankommen“, sagte er mit Blick auf die Flüchtlingsströme nach Europa. Er untermauerte seine Ausführungen anhand zahlreicher Zahlen und Fakten: Seit dem Jahr 2000 habe es ein gutes Wirtschaftswachstum in seinem Heimatland gegeben. Mittlerweile breiteten sich zunehmend moderne Medien, Internet und Fernsehen aus. Nach wie vor seien jedoch die Infrastruktur und Versorgung ausbaufähig: „Heute sind bereits 52 Prozent der Bevölkerung an die Wasserversorgung angeschlossen“, so der Bischof. Noch vor einigen Jahren wären es deutlich weniger gewesen.

Der überwiegende Teil der Menschen (70 Prozent) in Tansania würde im Bereich der Agrikultur arbeiten. Erfreulich sei vor allem, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen von 51 Jahren (im Jahr 2002) auf mittlerweile 61 gestiegen sei. Auch konnten die Angebote der Evangelisch-Lutherischen Kirche immer weiter ausgebaut werden. Mittlerweile betreibe die Kirche in Tansania 93 Kindergärten, 10 Grundschulen, 49 Berufsschulen und Universitäten. „Eine gute Schul- und Berufsausbildung macht die Menschen selbstständig und unabhängig“, ist Bischof Keshomshahara überzeugt. Genau dort würde sich seine Kirche verstärkt einbringen: Ausbildung vom Kindergarten bis zur Hochschule wird durch die Kirche gefördert.

Außerdem möchte die Landeskirche eine nationale Kirchenbank gründen die – so die ersten Überlegungen – Mikrokredite an Bedürftige Bauern vergeben soll, damit diese ihre Existenz weiter sichern und ausbauen könnten. 30.000 Menschen hätten bereits von den Mikrokrediten der Politik profitieren können, sowohl Christen als auch Mitglieder anderer Religionen.

Bischof Keshomshahara dankte den Partnerkirchen in Deutschland für die gute Unterstützung in den letzten Jahren. Durch die Spenden habe man wichtige Grundsteine im Bereich der Ausbildung und Gesundheitsversorgung für die Menschen in Tansania legen können.

Da im September ein starkes Erdbeben auch den Nordwesten des Landes stark verwüstete, ging der Bischof noch auf die gegenwärtige Situation im Paderborner Partner-Kirchenkreis Kusini B ein. Dort wären zahlreiche Häuser und kirchliche Gebäude zerstört. Die genaue Feststellung der Schäden dauere noch an. Spenden kämen direkt den dort lebenden Menschen zugute.

Zum Abschluss beantwortete Bischof Keshomshahara zahlreiche Fragen der Anwesenden, u.a. zur aktuellen politischen Situation. Pfarrerin Christel Weber vom Arbeitskreis Tansania zeigte sich optimistisch: „Wir freuen uns, dass der Bischof über zahlreiche positive Entwicklungen aus seiner Heimat berichten konnte. Wir sollten nicht immer ein negatives Bild von Tansania haben.“ Auch die Teilnahme an der Landessynode in Bielefeld ist eine der Stationen auf der Reise des Bischofs.

Text und Bilder: Jan Globacev

Bischof Dr. Abednego Keshomshahara berichtete von vielen positiven Entwicklungen in Tansania.
Der Arbeitskreis Tansania mit Bischof Dr. Abednego Keshomshahara (Bildmitte): Im Stephanus-Haus Borchen wurde er begrüßt von Pfarrerin Christel Weber (3. v. r.), Pfarrerin Sabine Sarpe von der örtlichen Kirchengemeinde (5. v. r.) sowie von der Synodal-Ältesten Helga Weber-Kruck (Steinheim, 6. v. r.).